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Stadt und
Urbanität im 21. Jahrhundert, eine Sommerakademie der
ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius vom 07.07. bis 11.07.2008 in
Hamburg
ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius in Kooperation mit der Hafen
City Universität (Hamburg), dem Georg-Simmel-Zentrum für
Metro- polenforschung (Humboldt-Universität zu Berlin) und dem
Center for Metropolitan Studies (TU Berlin)
Hamburg 07.07.2008-11.07.2008, Kampnagel, Internationale Kulturfabrik
Deadline: 15.04.2008
Das 21. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Städte. Zum ersten Mal
in der Geschichte der Menschheit leben heute mehr Menschen in
Städten als auf dem Land, und die Verstädterung der Welt wird
sich auch in den nächsten Jahrzehnten fortsetzen.
Während ein weltumspannender Verstädterungsprozess zum
Verschwinden des Ländlichen führt, scheint sich das Konzept
der Stadt aufzulösen. Zumindest in den entwickelten Ländern
sind wir mit Siedlungsstrukturen und Formen der Urbanisierung
konfrontiert, die sich nicht mehr mit simplen Dichotomien wie Stadt und
Land oder Zentrum und Peripherie beschreiben lassen. Und in der
südli- chen Hemisphäre, wo der Verstädterungsprozess
eine bisher nie gekannte Dynamik entfaltet, entstehen zwar
Megastädte mit weit über 10 oder gar 20 Millionen Einwohnern,
aber die kleineren Städte bis 500.000 Einwohner wachsen wesentlich
schneller. Dabei entstehen sozioökonomische und
sozialräumliche Strukturen, die ganz neue Fragen aufwerfen. Nach
Einschätzung des UNO-Bevölke- rungsfonds (UNFPA) lebt eine
Milliarde Menschen - knapp jeder siebte Erdenbürger - in einem
städtischen Slum.
Doch auch in den hochindustrialisierten Ländern des ,Westens'
erwachsen aus dem vielschichtigen gesellschaftlichen Wandel - alternde
und schrumpfende Gesellschaft, Entindustrialisierung, Armut,
Mobilität, Migration, um nur einige zentrale Faktoren zu nennen -
Verunsicherungen und Herausforderungen an die Konzeptualisierung von
"Stadt".
Die Städte und Metropolen der Welt werden also erheblich die
Geschichte des 21. Jahrhunderts prägen. Zugleich erscheint immer
unschärfer, was eine "Stadt" eigentlich ist und was Urbanität
aus- macht. Dabei liegen in den Städten als Konzentrationspunkten
des Sozialen und Kulturellen zugleich die Ansatzpunkte eines nachhalti-
geren und zivileren gesellschaftlichen Lebens.
Eine Annäherung an das Phänomen der Stadt erscheint nur noch
in "dichten Beschreibungen" möglich zu sein. Was wir etwa unter
Stadtplanung verstehen, hängt wesentlich von unserem
Verständ- nis von Urbanität und davon ab, was wir für
eine erstrebenswerte Gestaltung gesellschaftlicher ,Räume' halten.
Unsere Haltung hierzu entsteht aber in gesellschaftlichen Debatten
ebenso wie in der Auseinandersetzung mit kulturellen
Präfigurationen und wird durch ein (kollektives) Erfahrungswissen
geprägt, das etwa in den Litera- turen archiviert und tradiert
wird. So wird seit einiger Zeit der Begriff des Kosmopolitismus wieder
stark gemacht, der ohne die Kulturgeschichte der Polis, eine bestimmte
Tradition und Auffassung von zivilbürgerlichem Leben, nicht
denkbar wäre.
Gleichzeitig strukturiert der städtische Raum natürlich
unsere Wahr- nehmung, unsere Lebensstile und unsere Haltung, auch in
einem
materiell-physischen Sinn. So werden Körperbewegungen immer
auch in Relation zur architektonischen und soziokulturellen Struktur
städtischer Räume geprägt. Gleiches gilt für die
Sprache. Städte sind geradezu Generationsmaschinen für neue
Sprachformen: In ihnen entstehen Sozio- und Ethnolekte, im
Sprachkontakt entste- hen Mischsprachen, und Sprachen sterben.
Ausgehend von der Notwendigkeit, im Zeitalter der Städte "Stadt"
neu zu reflektieren, bringt die Sommerakademie der ZEIT-Stiftung Ebelin
und Gerd Bucerius Doktorandinnen und Doktoranden verschiedener
Disziplinen zusammen, die sich mit Aspekten des Themenfelds
beschäftigen, um ihnen jenseits der eigenen Projekte ein "wildes
Denken" zu ermöglichen, das in der disziplinären Spe-
zialisierung oftmals zu kurz kommt. In diesem Sinne setzt sich die
Akademie nicht nur mit den Bereichen Stadtplanung, Stadtgesell- schaft,
Globale Stadt und Sprache, Literatur und Urbanität ausei- nander,
sondern versucht Denkprojekte der einzelnen Bereiche in
ihrer gegenseitigen Verschränkung zu begreifen und so neue
Verständnisperspektiven zu eröffnen. Die Beschäftigung
mit den großen Stadtentwicklungsprojekten Hamburgs, der HafenCity
und der Internationalen Bauausstellung "Sprung über die Elbe" soll
die
Reflexionen über Stadt und Urbanität im 21. Jahrhundert konkreti- sieren.
Auswahl
In Zusammenarbeit mit der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius
wählen die wissenschaftlichen Leiter der Sommerakademie anhand der
eingegangenen Dossiers die 25 Teilnehmerinnen und Teilneh- mer aus.
Teilnahmegebühr und Stipendien
Die ZEIT-Stiftung übernimmt die Kosten für Reise, Hamburg-Aufent- halt und Teilnahme.
Bewerbungsvoraussetzungen
Bewerberinnen und Bewerber haben ein abgeschlossenes Hoch- schulstudium
und sollten in einem urbanistischen, geistes-, kultur- oder
sozialwissenschaftlichen Fach an einer europäischen Hoch- schule
promovieren und sich in ihrem Forschungsvorhaben mit einem Aspekt des
Phänomens "Stadt" beschäftigen. Willkommen sind auch
Bewerbungen von Praktikern aus Architektur und Stadt- planung, deren
abgeschlossenes Hochschulstudium nicht länger als drei Jahre
zurückliegen sollte.
Bewerbung
Die Bewerbungen müssen schriftlich eingereicht werden. Sie sollen
die folgenden Unterlagen umfassen: eine einseitige Skizze, in der das
eigene Forschungsvorhaben (bzw. das planerische Projekt) und die
Motivation zur Teilnahme beschrieben werden, sowie Lebenslauf
(tabellarisch), Kopien wichtiger Zeugnisse und Gutach- ten, evtl.
Publikationsliste. Da die Bewerbungsunterlagen nicht zurückgesandt
werden können, reichen Sie bitte grundsätzlich nur Kopien
Ihrer Unterlagen ein.
Die Frist für die Bewerbung ist der 15. April 2008.
Dr. Markus Meßling
Projektleiter Wissenschaft und Forschung
ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius
Feldbrunnenstraße 56
20148 Hamburg
Tel: 0049 - (0)40 - 41336-785
E-Mail: messling@zeit-stiftung.de
Programm
Die Akademie findet statt auf "Kampnagel", der Internationalen
Kulturfabrik Hamburg (www.kampnagel.de). Sie umfasst Vorträge,
Workshops, Ansicht von Filmen und Videoprojekten sowie Exkursio- nen.
In Form von Vorträgen führender Forscher werden Einblicke in
die Stadt-relevanten Fragestellungen in den Bereichen Planung,
Stadtsoziologie, Sprachwissenschaft sowie Literatur- und Kulturfor-
schung gegeben. Workshops dienen der Vertiefung einzelner
Fragestellungen. Über ihre Diskussionsbeiträge hinaus werden
die Doktorandinnen und Doktoranden mit der Übernahme von Stellung-
nahmen und Gesprächsleitungen aktiv einbezogen. Es wird
Führun- gen durch die HafenCity und verschiede Projekte der
Internationa- len Bauausstellung geben.
Mit: Niklas Bender (Tübingen), Jürgen Bruns-Berentelg
(Hamburg), Konrad Ehlich (Berlin), Ottmar Ette (Potsdam), Kerstin Evert
(Hamburg), Susanne Frank (Dortmund), Hartmut Häußermann
(Berlin), Uli Hellweg (Hamburg), Franck Hofmann (Berlin), Christopher
M. Hutton (Hong Kong), Rem Kolhaas (Rotterdam, angefr.), Mara
Kurotschka (Berlin), Dieter Läpple (Hamburg), Amin Maalouf (Paris,
angefr.), Sako Musterd (Amsterdam), Franz Oswald
(Zürich), Annemieke Roobeek (Breukelen), Oliver Schmidt (Berlin),
Jürgen Trabant (Berlin), Jörn Walter (Hamburg), Sigrid Weigel
(Berlin), Heike Wiese (Potsdam).
Wissenschaftliche Leitung der Akademie
Prof. Dr. Dieter Läpple (HafenCity Universität)
Prof. Dr. Jürgen Trabant (Freie Universität Berlin)
Tagungssprache
Tagungssprachen sind Deutsch und Englisch. Jede Person soll in der von
ihr bevorzugten Sprache sprechen können. Da die überwie-
gende Zahl der Vorträge auf Deutsch gehalten wird, ist ein gutes
Verständnis der deutschen Sprache eine unbedingte Teilnahmevo-
raussetzung.
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