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Fachtagung

Wer entwickelt die Stadt? Akteure, Strategien, Strukturen, PartnerschaftenStadtforschung in Frankreich
Lokale Governance in historischer Perspektive
07.-08.12.2007 in Kassel

Veranstalter

Fachgebiet Stadterneuerung, Stadtumbau am Fachbereich Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung der Universität Kassel

Arbeitskreis Planungsgeschichte in der GSU - Gesellschaft für Stadtgeschichte und Urbanisierungsforschung

Veranstaltungsort

Universität Kassel

Deadline Call for Papers

16. Juli 2007

www

http://www.uni-kassel.de/fb6/ssu/

Anschrift

Universität Kassel
Fachgebiet Stadterneuerung, Stadtumbau
- GSU-Tagung 2007 -
Henschelstr. 2
34109 Kassel
schimanski(at)asl.uni-kassel.de

Ansprechpartner für Rückfragen

Dipl.-Ing. Grischa Bertram
Tel. 0561 / 804-3224
bertram(at)asl.uni-kassel.de

 

Information

Tagungsprogramm

Anmeldung

Anfahrt

Broschüre pdf download 133 kb

 

Information

Es scheint derzeit weitgehend Konsens darüber zu herrschen, dass in Europa eine Phase sozialstaatlicher, etatistischer Regulation zu Ende gegangen sei, in der die öffentliche Hand den dominanten Part in der Stadtentwicklung gespielt habe. Neue Akteurskonstellationen bzw. Prozesse und Strukturen der Arbeitsteilung zwischen politisch-administrativem System, privaten Unternehmen und Zivilgesellschaft haben in dieser Sicht zur Entstehung vollkommen neuer Spielregeln geführt, die einseitig den privaten Akteuren nie gekannte Spielräume eröffnet hätte. So etwa ließe sich eine derzeit weit verbreitete Sichtweise in der stadtplanerisch geprägten Stadtforschung charakterisieren: Diese propagiert auf der normativen Seite neben einer Beteiligung nicht-staatlicher Akteure an Stadtentwicklungsprozessen auch die Bildung von (u.a. öffentlich-privaten) Partnerschaften und die Anwendung kommunikativer Planungsmethoden.


Doch in welchem Maße ist diese Sicht des vollkommenen Novums nicht-staatlicher Teilhabe an der Stadtentwicklung zutreffend?

Tatsächlich zeigt ein Blick auf frühere Phasen der Stadtentwicklung, dass private Akteure insbesondere in einer "liberalistisch" geprägten Phase im 19. Jahrhundert eine für heutige Verhältnisse kaum noch vorstellbare Rolle spielten. Sie waren etwa in hohem Maße am Bau von Stadtteilen oder der verkehrlichen und sozialen Infrastruktur beteiligt. Bei näherem Hinsehen entpuppt sich die Phase der "modernen Planung" mit ihren spezifischen Strukturen kommunaler (und anderer hoheitlicher) Verfasstheit als zeitlich und räumlich eng begrenztes Phänomen, möglicherweise als ein Zwischenspiel der Gesellschaftsentwicklung. Daraus leitet sich die Frage ab, welche Vorläufer, Entstehungsbedingungen und Entwicklungspfade heutiger "neuer" Governance-Modelle sich im Verhältnis zwischen dem politischadministrativen System, privaten Unternehmen und der Zivilgesellschaft in Deutschland und im europäischen Vergleich identifizieren lassen.

Ziel der Tagung ist eine breitere Einordnung der Genese von "Governance"-Strukturen auf der Ebene des lokalen Staats zu gewinnen als die derzeit zu beobachtende Konjunktur seiner Verwendung zumeist zulässt. Die folgenden Fragen erscheinen dabei besonders nahe liegend und sollen in der Tagung näher behandelt werden:

  • Welche Formen der Kooperation zwischen Städten und privaten Unternehmen oder zivilgesellschaftliche Organisationen haben die liberalistische Zeit des 19. und des frühen 20. Jahrhunderts geprägt?
  • Welche Rolle haben private Akteure bei der Herausbildung sozialstaatlicher Strukturen (etwa seit dem 19. Jahrhundert und insbesondere im frühen 20. Jahrhundert) gespielt?
  • In welchen Feldern der Stadtentwicklungspolitik gab es auch damals etablierte partnerschaftliche Beziehungen zwischen öffentlichen und privaten Akteuren und wie waren diese organisiert (etwa in der Wirtschaftsförderpolitik usw.)?
  • Wie unterscheiden sich die Entwicklungspfade bei der Herausbildung sozialstaatlicher Strukturen international im Hinblick auf die Rolle und das Verhältnis öffentlicher und privater Leistungserbringer?
  • Welche historischen Vorläufer, Entwicklungsschübe und unterschiedliche Praktiken in Bezug auf Partnerschaften zwischen öffentlichen und privaten Akteuren gab es in der Zeit des sozialen Wohlfahrtsstaats vor der großen Privatisierungs-, Deregulierungsund Partnerschaftswelle (die etwa seit dem vierten Viertel des 20. Jahrhunderts anzusetzen ist)?
  • Welche Rolle spielten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen bei diesen Kooperationsformen und inwieweit unterscheiden sie sich zu derzeitigen Tendenzen?
  • Welche Unterschiede lassen sich für die Beziehungsentwicklung zwischen lokalem Staat und verschiedenen privaten Akteuren, etwa zwischen Wirtschaftsunternehmen und Zivilgesellschaft, feststellen?
  • Lässt sich darüber hinaus zwischen der Teilhabe unterschiedlicher nicht-staatlicher Personen an der Formulierung von Stadtentwicklungspolitiken und der Kooperation bei der konkreten Umsetzung dieser differenzieren und wie wären solche Unterschiede zu bewerten?
  • Welche historischen Parallelen zu älteren Phasen der Gesellschafts- und Stadtentwicklung lassen sich ausmachen?
  • Bis zu welchem Grad ist die heutige Einordnung der Partnerschaften und deren Beschreibung als veränderte Governance-Formen auf ein verändertes analytisches Verständnis der Aufgaben des lokalen Staats und seiner "Außenbeziehungen" zurückzuführen bzw. wie stark ist dieses Resultat tatsächlicher Veränderungen der lokalen Politik?

Kollegen und Kolleginnen, die auf dieser Tagung einen Vortrag halten möchten, werden gebeten, bis zum 16. Juli 2007 einen Themenvorschlag mit einem kurzen Exposé (maximal 2.500 Zeichen) - gerne auch in elektronischer Form - an die nachfolgende Anschrift zu richten.

 

Tagungsprogramm

Freitag, 7. Dezember 2007

12:00
Ankunft, Anmeldung

12:30
Begrüßung:
Prof. Dr.-Ing. Uwe Altrock (Universität Kassel)
Prof. Dr. Clemens Zimmermann (Universität des Saarlandes)


12:45
Einführungsvortrag: „Blick zurück nach vorn: Die Relevanz einer historischen Perspektive lokaler Governance“
Prof. Dr. Klaus Selle (RWTH Aachen)

Themenblock I: Kommerzieller Städtebau

Moderation: Prof. Dr. Clemens Zimmermann (Universität des Saarlandes)

13:15
„Privater Städtebau in vor-industrieller Zeit: Das Beispiel Hanau im 16. Jahrhundert“
Prof. Dr. Gerhard Fehl (RWTH Aachen)

13:45
„Berliner Terraingesellschaften und Governance-Muster zwischen 1900 und 1939“
Dr. Christoph Bernhardt (IRS, Erkner)

14:15
„Haberland und Sommerfeld – Akteure und Strukturwandel in der Berliner Stadtentwicklung vor und nach dem Ersten Weltkrieg“
Dipl.-Ing. Celina Kress (CMS, Berlin)

14:45
Diskussion: Steuerungsverlust und Steuerungsanspruch

15:15
Kaffeepause

Themenblock II: Stadtentwicklung und Unternehmer I

Moderation: Prof. Dr. Friedhelm Fischer (HCU Hamburg)

15:45
„Großprojekte und Governance in historischer Perspektive“
Prof. Dr. Heinz Reif (CMS, Berlin)

16:15
„Die Stadt der Unternehmer: Die „Produktion von Stadt“ im Ruhrgebiet von 1840 bis 1890“
Prof. Dr. Renate Kastorff-Viehmann (TH Dortmund)

16:45
„Rheinischer Städtebau: Stadtbaupläne in der Rheinprovinz von der napoleonischen Zeit bis zum Kaiserreich. Das Fallbeispiel Mönchengladbach“
Prof. Dr. Hilde Schröteler-von Brandt (Universität Siegen)

17:15
Diskussion: Ist integrative Stadtentwicklung mehr als die Summe von Einzelinteressen?

17:45
Kaffeepause

Themenblock III: Stadtentwicklung und Unternehmer II

Moderation: Prof. Dr. Friedhelm Fischer (HCU Hamburg)

18:00
„Die ganze Stadt im Blick. Die Unternehmerin und Stifterin Sophie Henschel (1841-1915)“
Dr. Ortrud Wörner-Heil (Kassel)

18:15
„Deutsche Unternehmer und ihre Arbeiterkolonien im 19. und frühen 20. Jahrhundert“
Dr. Steffen Krämer (LMU München)

18:45
„Das Baugeschäft und die Stadt: Göttingen und Bamberg“
Dr.-Ing. Dipl.-Geogr. Jan Volker Wilhelm

19:15
Diskussion: Partnerschaft oder gerittener Tiger?

19:45
Abendessen

20:30
Zusammenkunft des Arbeitskreises Planungsgeschichte der GSU

Samstag, 8. Dezember 2007

Themenblock IV: Infrastrukturentwicklung

Moderation: Dr. phil. Gerd Kuhn (Universität Stuttgart)

9:00
„Gemischtwirtschaftliche Unternehmen, Stadtwerke und interkommunale Kooperation: Akteure im Feld der technischen Vernetzung jenseits der Stadtgrenzen zu Beginn des 20. Jahrhunderts“
Prof. Dr. Dieter Schott (TU Darmstadt)

9:30
„Stadt und/oder Hafen? Governancestrukturen und
Pfadentwicklungen in Seehafenstädten am Beispiel von London und Hamburg“
PD Dr. Dirk Schubert (HCU Hamburg)

10:00
„Konkrete Utopien: Peter Rehders Plan für Lübeck von 1906“
Dipl.-Ing. Otto Kastorff (Bad Schwartau)

10:30
Diskussion: Ist kapitalistisches Wirtschaftswachstum planbar?

11:00
Kaffeepause

Themenblock V: Zivilgesellschaft und Beteiligung

Moderation: Prof. Dr.-Ing. Uwe Altrock (Universität Kassel)

11:30
„Wohnreform- und Frauenbewegung im 19. und frühen 20. Jahrhundert und Stadtentwicklung“
Prof. Dr. Ulla Terlinden (Uni Kassel)

12:00
„Die Macht der Zivilgesellschaft: Der „Regional Plan for New York and Its Environs“ (1929) und die Transformation der Stadtregion New York“
Dipl.-Ing. Barbara Schönig (TU Berlin)

12:30
„Vom korporatistischen zum kooperativen Staat. Lateinamerikanische Stadtentwicklung und Zivilgesellschaft im 20. Jahrhundert.“
Dipl.-Ing. Alexander Jachnow (TU Berlin)

13:00
Diskussion: Eine Rolle für die Zivilgesellschaft?

13:30
Mittagessen

Themenblock V: Auf dem Weg in den kooperativen Staat

14:30
„Das Projektgruppen-Modell in Rotterdam in den 1970er und 1980er Jahre als Katalysator für den Umbau der Stadt der Industrialisierung – Lokale Planung zwischen Steuerung, Beteiligung und Kooperation“
Prof. Ingrid Lübke (Universität Kassel)

15:00
Epochenwandel oder Kontinuität?

Ende gegen 16:30 Uhr

Anmeldung

Bitte senden Sie bis zum 15. November 2007 eine schriftliche Anmeldung an folgende Adresse:

Universität Kassel
FG Stadterneuerung / Stadtumbau
Henschelstraße 2, 34109 Kassel
Tel. (für Rückfragen): 0561-804 2371
Fax: 0561-804 2390
schimanski@asl.uni-kassel.de

Das Anmeldeformular finden sie unter:
http://www.uni-kassel.de/fb6/ssu/

Die Teilnahmegebühr beträgt 40,- Euro. Sie enthält Tagungsmaterial und Pausenversorgung. Die Kosten für Übernachtungen können nicht übernommen werden. Mit der Überweisung der Tagungsgebühr bis 15. November 2007 auf das Konto 2109394 bei der Kasseler Sparkasse (BLZ 520 503 53) unter Angabe der Kostenstelle 6515399 (wichtig!) und Ihres Namens als Verwendungszweck wird Ihre Anmeldung verbindlich. Nach Eingang des Betrages erhalten Sie eine Teilnahmebestätigung.

Anfahrt

Tagngsort ist das Zentrum für Umweltbewusstes Bauen (ZUB) der Universität Kassel in der Gottschalkstr. 28a nördlich des Hauptcampus. Das ZUB ist vom ICE-Bahnhof
Wilhelmshöhe mit der Straßenbahn (Linie 1) zu erreichen (Haltestelle Mombachstr.), vom Hauptbahnhof fahren die Busse der Linien 10 und 12 bis zur Haltestelle Holländischer Platz / Universität.

 

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